Freitag, 12. Juli 2019

Zurück in die Wildnis Finnlands und dann der Abschied

Drei Nächte haben wir an der Barentssee im äußersten Norden Norwegens verbracht. Hier war es deutlich frischer als im Inland. Nachdem wir den nördlichsten Punkt unserer Reise erreicht hatten, wollten wir noch ein, zwei Stationen in Finnland mitnehmen, die uns von finnischen Freunden empfohlen wurden. Hauptziel war die Muotkatunturi Wildnis. Die Strasse dorthin führte uns zunächst in Küstennähe entlang der Barentssee über einige Hochebenen bis nach Lakselv, wo wir auf die E6 stießen. Die E6 sollte uns bis nach Karasjok nahe der finnische Grenze führen.
Auf diesem E6 Abschnitt tauchten wir förmlich in eine andere Reisewelt ein. Wir waren auf einer der Nordkaprouten gelandet, dem Revier der gehetzten Nordkapwohnmobilisten. Es hat den Anschein als würde diese Kategorie der Wohnmobilisten versuchen möglichst schnell das Nordkap zu erreichen. Das Wohnmobil wird möglicht nur bei Durchführung der Ver- und Entsorgung verlassen, welche dann so zügig wie ein Formel 1 Boxenstopp durchgeführt wird. Auch auf der Strasse ist man hier zügiger unterwegs und verwechselt sein Tonnen schweres WoMo schon mal mit einem leichten PKW. Die WoMo Dichte ist auf den Nordkaprouten deutlich erhöht.
Gut das wir dem entfliehen können. Unser Ziel war ein Sami Dorf namens Muotkan Ruoktu. Hier parkten wir unser WoMo und verbrachten noch ein paar schöne und sehr anstrengende Tage in der Muotkatunturi Wildnis. Zunächst wandert man einige Kilometer am Fluss entlang. Dann erreicht man die Fjells und idyllische Seen. Die Fortbewegung ist hier etwas mühsamer, da es oft auf kaum erkennbaren Pfaden oder meistens ohne Weg weitergeht und die schweren Rucksäcke auf dem Rücken sind. Aber außer in Flussnähe ist der Wald recht offen und in den Fjells geht der Bewuchs in Tundra über, so dass man gut ohne Weg laufen kann. Dank der Fjells, Flüsse und Seen fällt die Orientierung nicht schwer. In einer Nacht unternahmen wir eine Mitternachtswanderung auf einen der Fjellgipfel. Das schwere Gepäck kann man getrost unten zurücklassen. Das wird hier draußen niemand als Zusatzgewicht wegtragen. Nach dieser Tour kommt dieses Gebiet auf unsere Merkliste. Hier waren wir nicht zum letzten Mal!
Als letztes Ziel in Finnland steuern wir das Örtchen Hetta an, um den Pallas Yllästunuri Nationalpark wenigstens optisch einmal kurz anzuschneiden.
Der beste Weg dorthin führt über Norwegen durch die Finnmarksvidda, eine gewaltige sehr dünn besiedelte Hochebene, sehr spannend zu fahren. Aus einer gewissen Distanz betrachtet erinnern mich die offenen Weiten an den australischen Busch. Schließlich treffen wir auf die 93, die uns nach Süden über die Grenze nach Finnland bis nach Hetta führt. Aus der Ferne sehen wir schon die hohen Fjells des beliebten Nationalparks.
Anders als gewohnt gönnen wir uns hier mal ein Ferienhaus am See mit Privatsauna und Waschmaschine, um unsere Wäsche etwas aufzufrischen.
Nach dem Check Out um 12 Uhr am nächsten Tag stand der Abschied von Finnland bevor. Die Route (E8) sollte uns über den nordwestlichen Ausläufer Finnlands an der schwedischen/finnischen Grenze entlang über Finnlands höchste Passstraße (ca. 570 m) nach Norwegen führen. Ein letztes Mal gönnten wir uns das in Finnland beliebte, günstige Lounas (Mittagsbuffet) an einem Tankstellenrestaurant.
Bald konnte man in der Ferne die schneebedeckten Gipfel der norwegischen Lyngenalpen sehen.
Bald traf die E8 auf wieder auf die E6, die ganz Norwegen durchquert. In Norwegen konnten wir die Uhr wieder eine Stunde zurückdrehen.
Norwegen trat wieder in Erscheinung wie gewohnt: gigantisch und unübertroffen bildgewaltig. Neuseeland wirkt dagegen wie ein niedlicher Bildband. Aber dazu später mehr. Unser Tagesziel ist die Insel Senja. Wir haben mittlerweile über 4000 km heruntergerissen.
Der Abschied von Finnland fiel schwer. Es wird weit oben in der Liste unserer Lieblingsreiseländer auftauchen - unentdeckt, geheimnisvoll, still, wilde Natur, sensationelle Landschaft, abenteuerlich.


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